…und es gefällt mir hier eigentlich ganz gut:
Als ich noch in .de einen Brief gekriegt hatte, dass ich keinen der gewünschten Kurse an der Uni kriege, hatte ich ja schon schlimmstes befürchtet. Aber glücklicherweise lag das nur daran, dass die mir im Vorhinein keine Kurse geben konnten, die nicht in meinem Austauschfach (also Germanistik) sind, ich aber ausschließlich Politik Sachen angegeben hatte.
Als ich dann in der ersten Woche beim Intenational Office und meinem Director of Studies war, um den Stundenplan zu machen, gabs dann überhaupt keine Probleme und im Endeffekt hab ich jetzt alle Hauptseminare, die ich wollte – das ist mir in Tübingen noch nie geglückt! Ich besuche in diesem Semester jetzt „International Security“, „Global Justice and Citizenship“ und „War and Justice“ in Politik und, als zweisemestrigen Kurs, ein Seminar über Brechts Dramen in Germanistik.
Mit der Auswahl bin ich auch 3 Wochen nach Semesterbeginn ziemlich zufrieden (was mir in Tübingen auch noch nie geglückt ist), allerdings ist das Veranstaltungskonzept hier teilweise anders: Die IS und GJC Kurse laufen so, dass man 1h in der Woche Vorlesung und 1h Tutorium dazu hat. Das ist hier, besonders bei 1st und 2nd year classes, wohl meistens so, ist aber für die fortgeschritteneren Kurse meiner Meinung nach gar nicht geeignet. Das läuft nämlich so ab, dass man das, was der Dozent in der einen Stunde Vorlesung komprimiert und im Sauseschritt runterrasselt, ohnehin schon vorher ausführlicher in der Pflichtlektüre gelesen hat, und im Tutorium wird das ganze dann in einer Stunde noch ein drittes Mal ausgebreitet, so dass für tiefergehende Diskussionen keine Zeit bleibt – was schade ist, weil die Themen- und Textauswahl sehr gut ist.
Etwas irritierend fand ich, dass das Germanistik Seminar komplett in Englisch gehalten wird und auch die Hausarbeiten auf Englisch verfasst werden. Da sind die deutschen Philologen doch konsequenter. Die Germanistik scheint aber ohnehin sehr klein zu sein (oh Wunder..), die Dozentin kannte schon jeden der reinkam mit Namen. Inklusive der deutschen Erasmusstudenten. Der Nachteil ist, dass das Institut kaum Bibliotheksmittel zu bekommen scheint, denn die wenigen Bücher liegen teilweise unsortiert in der Gegend oder in Kisten rum, außerdem wird die Bibliothek zusätzlich als Lager für Schaufensterpuppenbeine benutzt (das ist eigentlich ein Photo wert).
Überhaupt ist das Bibliothekswesen hier ein Witz: Man darf aus Copyrightgründen nur maximal 5% bzw. ein Kapitel eines Buches kopieren! Wie lächerlich ist das denn bitte? Wie soll man denn da wissenschaftlich arbeiten..? Böse Zungen behaupten übrigens, dass dies eine Maßnahme gegen die Überschuldung der Studenten sei, denn eine Kopie kostet umgerechnet 11 cent.
Wesentlich besser als in Deutschland funktioniert allerdings das e-learning. Ein Großteil der Lektüren kann online abgerufen und auch gespeichert werden. Auch die Tutoriumsbelegung, Seminarpläne und Diskussionsforen sind online verfügbar, das ist schon ne super Sache. Und sogar die Dozenten antworten unglaublich schnell auf e-mails und sind sehr freundlich und hilfsbereit.
Morgen hab ich meine erste presentation im IS Tutorium, vielleicht mach ich ja davon ein Video und stell es hier rein……….. ………………NOT.
Cheers